„Bildung und Kultur? Nur wenn es sich auszahlt!“ Ihre Konservativen

Bildung

Das sächsische Regierungsprogramm der AfD 2019 fokussiert sich stark auf den Bildungssektor. „Bildung ist Ländersache“ heißt es immer wieder auf Bundesebene – wie sich das nun im Programm der Partei wiederspiegelt und welche (versteckten) Auswirkungen dies auf dich, deine Kinder und Bekannten nehmen kann zeigen wir dir im Folgenden.

Der Erhalt des mehrgliedrigen Schulsystems klingt erstmal gar nicht verkehrt – laut AfD funktioniert das aktuelle System aber auf einer „geschwätzigen Kompetenzorientierung“ und nicht auf der Vermittlung des Fachwissens. Das Vermitteln von Fachwissen ist das Konzept von staatlichen Schulen, welches aber seit Jahren an seine Grenzen gelangt. Deswegen zeigen freie Schulen, Montessori und ähnliche, dass es auch andere Herangehensweisen und Konzepte gibt, und dass diese auch gut funktionieren.

Wo wir schon bei freien Konzepten sind: miteinhergehend möchte die AfD eine verbindliche Leistungsgrenze als Kriterium einführen, die nach Begabungen differenziert. Das bedeutet, dass gute Schüler*innen weiterhin gefördert werden und ihnen der Weg zum Gymnasium erleichtert wird und leistungsschwächere Schüler*innen durch das Modell der Oberschule auf eine Berufsausbildung vorbereitet werden (sollen). Hier bildet sich ein klares Survival of the Fittest, denn statt offenen Schul- und Lernkonzepten soll es leistungshomogene Lerngruppen geben, die nicht durch die Inklusion von körperlich oder geistig eingeschränkten Kindern aufgehalten werden. Ein pädagogischer Rückschlag der nur das Ziel der Elitenförderung, zu Lasten der von der AfD oft erwähnten „kleinen Leuten“, deren Kinder auf eine zusätzliche Unterstützung und Förderung angewiesen sind, verfolgt. Die AfD sagt außerdem, dass Inklusion den Kindern schadet. Es gibt keine Belege dafür, dass dies der Fall ist. Ganz im Gegenteil: „Der gemeinsame Unterricht behinderter und nicht-behinderter Kinder ist nicht nur machbar, sondern er ist der für alle Beteiligten bessere Weg“, lautet das Fazit von Dieter Katzenbach, Professor für Sonderpädagogik an der Uni Frankfurt.

Eine Separierung soll anhand einer verbindlichen Bildungsempfehlung festgelegt werden. Das bedeutet konkret, dass die Lehrperson entscheidet welchen Bildungsweg der/die Heranwachsende bestreitet. „Dabei gilt der Grundsatz „Lehrerbeurteilung schlägt Elternwille“: der Erziehungsauftrag des Staates ist dem elterlichen Erziehungsrecht in dieser Frage nicht neben-, sondern überzuordnen.“ (RWP Sachsen AfD S.31 / 5.1.2.) Das hat zur Folge, dass weder die Erziehungsbeauftragten, noch der/die Schüler*in selbst letztendlich entscheiden, ob sie ein Gymnasium oder die Oberschule besuchen. Es schränkt die betroffene Person in der persönlichen Entfaltung ein und raubt ihr ihre freie Entscheidung. Wir sehen es außerdem kritisch, dass sich die Aussage der Lehrperson, die (nur) eine beratende und begleitende Rolle einnimmt/und einnehmen sollte, sich über die Entscheidung der Erziehungsbeauftragten und letztendlich der/die Schüler*in hinwegsetzt. Hier zeichnet sich ab, dass die AfD Eltern, primär aus den benachteiligten Gesellschaftsgruppen, für unfähig halten eine weiterführende Entscheidung (für und mit dem Kind) zu treffen. Hinter dem angeblichen Engagement der Partei für die kleinen Leute verbirgt sich deren Verachtung.

Auch für die Klassenkonzipierung hat das Folgen – es ist nachweislich, dass gut durchmischte Klassen, im Sinne des Leistungsniveaus, den Kindern und Jugendlichen helfen. Sie bewirken, dass die Schüler*innen nebenbei verschiedene Lebenssituationen und -Modelle kennenlernen, ein Gefühl für Rücksicht und Toleranz entwickeln und sich gegenseitig unterstützen.

 

Kultur

Die AfD plant in ihrem neuen sächsischen Regierungsentwurf klare Einschnitte im kulturellen Bereich. Primär richtet sich die kürzende Kulturpolitik auf die freie(n) Szene(n) mit folgender Aussage: „Kultur darf kein Tummelplatz für soziokulturelle Klientelpolitik sein.“ Das schließt Projekte ein, die sich vor allem im jugendkulturellen Bereich befinden und (spielend) mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen zusammen demokratische Denk- und Handlungsprozesse erlernen und Fähigkeiten im Hinterfragen und der kritischen Auseinandersetzung mit diversen Themen entwickeln und erweitern.

Die sächsische AfD-Fraktion fordert die Entpolitisierung der Kunst- und Kulturszene. Das bedeutet, dass beispielweise Theater und Museen sich nicht mehr mit gesellschaftlichen Fragen auseinandersetzen dürfen. Das ist nicht nur ein Einschreiten in Artikel 5 des Grundgesetzes, in dem es heißt, dass jeder das Recht besitzt, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und das die Kunst frei ist, sondern kaschiert diese Herangehensweise der Partei mehr oder minder nur den eigenen Wunsch nach kultureller Hegemonie, indem sie vor allem hochkulturelle Einrichtungen (Theater, Museen) dazu auffordern und verpflichten primär einen positiven Bezug zu eigenen Heimat herzustellen und zu fördern.

Wir ziehen ein kurzes Fazit: die freie Kunst- und Kulturszene wird stark eingeschränkt – die AfD folgt dem Dienst der nationalen Sache und möchte der Soziokultur und vielen weiteren Initiativen, Vereinen und Organisationen die Förderungen streichen, aus Angst, sie könnten mit einer kritischen Auseinandersetzung und Hinterfragung Menschen wie dich zum Nachdenken anregen. Kunst und Kultur hat mit der Partei nur noch eine Funktion: Vermittlung eines positiven Heimatgefühles und auf gar keinen Fall eine freie Meinungsäußerung gewährleisten. Auch hier gilt der Grundsatz „Survival of the Fittest“, denn nur erfolgreiche Kunst- und Kultur-Institutionen bekommen Zuschüsse garantiert.