Du warst auch schon vor den Flüchtlingen unzufrieden

Na? Bist du auch unzufrieden?

Unzufriedenheit hat heutzutage leider viel zu häufig Platz in unserem Leben. Ständig wird sich über irgendetwas aufgeregt.

Mal sind die Vorgesetzten auf Arbeit schuld, mal die Kassierenden im Supermarkt, wenn man 2 Minuten länger an der Kasse steht. Man ärgert sich auch noch beim Autofahren, wenn alle wieder schlechter fahren als man selbst. Man regt sich auf, wenn man mit dem Dieselauto nicht mehr ins Zentrum von Stuttgart fahren kann, wenn Schweinefleisch in Kindertagesstätten nicht mehr auf dem Speiseplan stehen soll, wenn der Sommer zu warm und der Winter zu kalt ist, wenn in einem anderen Land kein Deutsch verstanden wird, wenn GEZ gezahlt werden muss, wenn Zipfelmänner nicht Weihnachtsmänner heißen, wenn im Supermarkt etwas ausverkauft ist, wenn eine Banane eine braune Stelle hat und sie deshalb im Laden weggeworfen wird, wenn die Plastiktüten teurer werden, wenn die guten alten Strohhalme verboten werden, wenn die Butter teurer wird, wenn Pollen im Frühling umherfliegen, wenn eine Baustelle auf der Autobahn ist, wenn die Bahn zu spät kommt oder der Flug ausfällt. Aber auch, wenn Menschlichkeit vor Egoismus und Ignoranz steht.

Immer häufiger werden andere Menschen für die eigene Unzufriedenheit verantwortlich gemacht. Meistens sind es Menschen die nichts dafür können oder sowieso schon in Positionen sind, aus denen es sich schwer verteidigen lässt.

Unter Anderem in Deutschland scheint das der Fall zu sein. Besonders gut hat man diese Unzufriedenheit und die Projizierung auf Menschen am Rand der Gesellschaft mit dem Aufkommen von PEGIDA und anderen „Protestinitiativen“ beobachten können. Übergriffe gegen Flüchtlinge oder Menschen die „anders“ aussehen oder handeln nahmen zu. Egal ob in Form von rassistischen Beleidigungen, körperlichen Übergriffen oder Anschlägen auf Flüchtlingsheime. Immer mehr rechte Terrorzellen wurden aktiv und scheinen von der Zivilgesellschaft akzeptiert zu werden. Die Sprache in der Gesellschaft verroht mehr und mehr. Offener Rassismus ist Alltag und Menschen, welche sich der „Bürgerlichen Mitte“ zuordnen, handeln und äußern sich immer häufiger rassistisch, um ihrer „Unzufriedenheit“ Luft zu machen.

Doch ist diese Unzufriedenheit wirklich auf Flüchtlinge zurückzuführen? Sind Flüchtlinge wirklich daran Schuld, dass so viel schief läuft in diesem Land? Laut des statistischen Landesamts Sachsen lag der Ausländeranteil Ende 2018 in Sachsen bei 4,9%. Im Vergleich zum Jahr 2012, in welchem der Ausländeranteil bei 2,4% lag, ist dies ein Anstieg um 2,5%. [1] Ein derart geringer Anstieg kann wohl kaum die Ursache für die jetzige Unzufriedenheit sein.

Wir wollen auch niemandem vorschreiben nicht unzufrieden zu sein. Es gibt viele gute Gründe die uns Missstände in der Gesellschaft, der Politik oder im Privatleben anzweifeln lassen und die uns ebenfalls unzufrieden machen.

Aber es sollte auch jedem Menschen bewusst sein, dass meckern allein nicht hilft und dass andere Menschen nichts für die eigene Unzufriedenheit können.

Es sollte auch nicht erwartet werden, dass Andere etwas gegen die herrschende Unzufriedenheit machen. Jeder Mensch muss und kann für sich selbst entscheiden was konkret geändert werden soll. Gerade Flüchtlinge sind oft das falsche Ziel berechtigter Wut.

Letztlich wollen wir, egal welcher gesellschaftlicher Stand, egal welches Geschlecht, egal welche Herkunft, egal welche Hautfarbe, doch alle nur eins: Zufriedenheit.

Deshalb: Seid solidarisch zueinander! Seid freundlich zueinander! Sprecht über eure Unzufriedenheiten und sucht gemeinsame Lösungen. Handelt so, dass ALLE Menschen zufrieden leben können.